Kollodiumformeln im Ueberblick

Vintage Photography – Kollodiumformeln im Überblick

Das Kollodium Nassplatten Verfahren stammt aus der Frühzeit der Fotografie. Die Anhänger des Verfahrens konnten nicht auf eine industrielle Produktion ihrer Materialien zurückgreifen, vieles wurde im Labor oder in der heimischen Küche ausprobiert, gemixt und verbessert. So ist es auch nur einem Zufall geschuldet, dass das Kollodium entdeckt wurde. An die Verwendung als fotografische Trägerschicht, geschweige denn an das Kollodium Nassplatten Verfahren, dachte damals aber kaum jemand.

In unserem Fotoworkshop in Berlin zeigen wir, wozu das Kollodium in der Fotografie benötigt wird und welche Aufgaben es übernimmt.  

Zur Entdeckung des Kollodiums 

Der historische Begriff für Kollodium lautet Schießbaumwolle. 1846 fand der Baseler Professor Christian Friedrich Schönbein heraus, dass Baumwolle (Zellulose), behandelt mit Schwefel- und Salpetersäure, einen Stoff hervorbringt, der blitzartig verbrennt. Dieser Stoff wird in den historischen Quellen als Schießbaumwolle bezeichnet.

Bestimmte Verbindungen von Schießbaumwolle sind in Äther löslich. Diese gelöste Schießbaumwolle ist es, die den Namen Kollodium erhielt. Dafür sorgten die amerikanischen Pharmazeut Dr. John Palmer und Dr. John Parker Maynard. Sie verwendeten die klebrige Masse der gelösten Schießbaumwolle zur Wundschließung. „Kollodium“ leitet sich dabei vom griechischen Wort „kollao“ (leimen) ab. 1848 wurde der Begriff auch in der Fotografie verwendet. Frederick Scott Archer, Gustave Le Gray und Robert J. Bingham experimentierten gleichzeitig mit der Verwendung des Stoffes. Das Kollodium diente in der Fotografie als Trägerschicht, die auf der Unterlage (Ambrotypie vs. Tintype) haftet und die in einem weiteren Schritt aufzutragenden Silberhalogenide aufnimmt.

Die Kollodiumformeln im Überblick 

Die heute noch bekannten Kollodiumformeln weisen aufgrund ihrer unterschiedlichen chemischen Zusammensetzung jeweils spezifische Eigenschaften auf. In unserem Fotoworkshop in Berlin gehen wir darauf näher ein. Hier möchten wir euch einen ersten Überblick verschaffen, der gerade für Anfänger im Kollodium Nassplatten Verfahren interessant sein dürfte. Die wichtigsten Parameter zur Unterscheidung der Kollodiumformeln sind

  1. -       Klärungszeit
  2. -       Kontrast/Reifung
  3. -       Haltbarkeit

 

Wir unterscheiden folgende Kollodiumformeln:

 

Legende: Haltbarkeit lang - bis 6 Monate, Haltbarkeit mittel ca. 3 Monate, Haltbarkeit kurz - ca. 1 Monat

(Peter Michels Handbuch „Das Kollodium“) 

  • -       Quinns-Quick-Clear (Haltbarkeit mittel, bester Kontrast nach 1 Monat)
  • -       Scully-Osterman (Haltbarkeit lang, bester Kontrast nach 1 Monat)
  • -       Poorboy (Haltbarkeit lang, bester Kontrast nach 1 Monat)
  • -       Old Reliable (Haltbarkeit lang, betser Kontrast nach 1 Monat)
  • -       Old Workhorse (Haltbarkeit mittel, bester Kontrast nach 1 Monat)
  • -       Lea´s Landscape #7 (Haltbarkeit mittel, bester Kontrast nach 1 Monat)
  • -       Merck Formel (Haltbarkeit mittel, bester Kontrast nach 1 Monat)
  • -       Old Boy mit Lithium (Haltbarkeit kurz, bester Kontrast nach 1 Woche)
  • -       New Generation Lithium (Haltbarkeit kurz, bester Kontrast nach 1 Woche)

Die Kollodiumformeln mit Lithiumbromiden ermöglichen geringere Belichtungszeiten, sind also lichtempfindlicher. Nachteil - sie lassen sich nicht sehr lange lagern.

 

(neuere Mischungen von Mamut Photo)

 

  • -       Lea #2 und #3 - beide für Porträts geeignet (Haltbarkeit mittel und lang, bester Kontrast k. A.)
  • -       New Guy (Positiventwicklung) (Haltbarkeit mittel, bester Kontrast k. A.)
  • -       Bohemia (Haltbarkeit kurz, bester Kontrast k. A.)
  • -       Extra Dry (Haltbarkeit kurz, bester Kontrast k. A.)
  • -       New Generation (Haltbarkeit kurz, bester Kontrast k. A.)
  • -       Ambrotypie (Haltbarkeit mittel, bester Kontrast k. A.)
  • -       Negativ Standard (Negativentwicklung) (Haltbarkeit mittel, bester Kontrast k. A.)

Die von Peter Michels aufgeführten Kollodiumformeln enthalten bis auf die Lösung Poorboy, Old Boy Lithium und New Generation Lithium allesamt Cadmiumbromide. Hierzu sei gesagt, dass Cadmium als gesundheitsgefährdend da krebserregend gilt. Es ist daher von der Verwendung der Cadmiumlösungen abzusehen, auch wenn sie zum Teil bessere Bildergebnisse erzielen. In unserem Fotoworkshop in Berlin verwenden wir nur cadmiumfreie Kollodiumlösungen, meistens die Formel Bohemia.

Ausgesuchte Beispiele für Kollodiumformeln 

Für Anfänger geeignet ist die sogenannte Poorboy-Mischung. Sie ist cadmiumfrei und verwendet stattdessen Kaliumbromid. Die Poorboy-Mischung ist leicht zu handhaben und kann vorgemischt verwendet werden. Die Formel für 550 ml lautet: 

-       6 ml dest. Wasser

-       3 g Kaliumbromid

-       5 g Kaliumjodid

-       300 ml 95,6 % Alkohol

-       240 ml 4-prozentiges Kollodium

-       (leichte Abweichungen möglich)

Die Poorboy-Mischung muss nach der Herstellung 24 Stunden stehen (Klärzeit). Sie reift ca. 1 Monat, bis sie den besten Kontrast erzeugt, kann aber auch vorher schon verwendet werden. Die Reifung kann für geübte Fotografen anhand der Rötung der Lösung abgelesen werden. Je röter die Kollodium-Mischung, desto älter ist sie. Ein weiterer Vorteil des Poorboy-Kollodiums – es hält relativ lange, bis zu 6 Monaten.

Wir bei Camera Curiosa verwenden für unsere Fotoworkshops in Berlin meistens die Mischung Bohemia. Diese ist sehr ausgewogen und gut handlebar. Ohne Cadmium greift sie stattdessen auf Ammoniumbromide und -iodide zurück. Es ist allerdings relativ kurzlebig. Die besten Kontraste werden bereits nach 3 Tagen Reifung erzielt, länger als einen Monat ist diese Kollodium-Mischung nicht zu verwenden.

Die Qualität des Kllodiums ist maßgeblich von der Lagerung abhängig. Für die besten Ergebnisse ist auf eine stabile Umgebungstemperatur von ca. 20 Grad zu achten.