fotografieren lernen mit der analogen Spiegelreflexkamera

Fotografieren lernen mit der Analogkamera – Back to Basics

Bereits die Auswahl der Kamera beeinflusst den Modus, wie wir fotografieren lernen. Angesichts des Überangebotes an aktuellen, digitalen Kameramodellen fällt die Wahl schwer und ist auch meistens falsch. Zum Fotografieren lernen sind Touch Displays, bunte Kameragehäuse und Objektive, die angeblich alles können, mehr als überflüssig. Unser Rat – back to the basics, denn fotografieren lernen ist viel einfacher, als die meisten von euch denken. Man braucht eigentlich nur drei Dinge. Darüber wollen wir euch in diesem Artikel berichten.

Weniger Technik erfordert mehr Know How beim fotografieren lernen

Erstens - eine analoge Kamera, bei der die Belichtungszeit und die Blendenzahl manuell eingestellt werden können, ist zum fotografieren lernen bestens geeignet. Wir empfehlen, auch aus Kostengründen, klassische Kleinbildkameras (Negativformat 35 x 24 mm) mit dem Betriebsmodus M auf dem Einstellrad. Diesen haben fast alle, ältere Modelle vor Mitte der 1980er Jahre sind sowieso darauf ausgelegt. Und keine Angst, Filme werden nach wie vor und in großer Stückzahl produziert, sie erfreuen sich sogar einer zunehmenden Beliebtheit. 

manueller Modus zum fotografieren lernen

Eine Nikon F60, zugegebenermaßen nicht die schönste Kamera, die je gebaut wurde, kann man bei Ebay derzeit für etwas mehr als 10 € erwerben. Ein Witz angesichts des Neupreises von 500 bis 600 DM Mitte der 1990er Jahre. Selbst semiprofessionelle Kameras wie die Nikon F90 sind heute für 50 € erhältlich, richtiges Profimaterial wie die F4, für viele eine der besten analogen Kameras überhaupt, ab 200 €. Für den Filmtransport und Belichtungsmessung benötigen diese Kameras Batterien, die es jedoch ohne Probleme zu kaufen gibt. Den Luxus der Belichtungsmessung sollte man sich schon gönnen, auch wenn wir von der Picke auf das fotografieren lernen wollen. Im Sucher seht ihr auf einer Skala, ob die von euch aktuell ausgewählte Blenden-Zeit-Kombination zu unter- oder überbelichteten Bildern führt. Die wichtigen Funktionen, Blende und Zeit, sind aber manuell steuerbar. Ihr könnt so verschiedene Kombinationen und Abhängigkeiten ausprobieren. Am Besten schreibt ihr euch nach jedem Bild die Einstellungen auf, damit später bei der Auswertung nachvollziehbar ist, was ihr getan habt.

Analoge Spiegelreflexkamera Nikon F60

Doch warum eine analoge Kleinbildkamera? Ganz einfach, ihr könnt diese mit einem Film bestücken und habt dann z. Bsp. 36 Aufnahmen. Damit fängt das fotografieren lernen auch schon an. Überlegt euch ein überschaubares Projekt. In meinem Fall habe ich mir eine Strecke von Berlin Schöneberg, über den Potsdamer Platz, das Brandenburger Tor bis zum Alexanderplatz ausgesucht. Ich wollte im Stil der Streetphotography die Stimmung festhalten, und das an einem bestimmten Tag, über eine festgelegte Distanz, in einer überschaubaren Zeit. Diese Eingrenzungen haben mir geholfen, bewusst zu fotografieren und mir die noch verfügbaren Bilder einzuteilen. Der Filmstreifen lässt sich wie ein Film lesen und ist zum Zeitdokument geworden. Serien von interessanten Objekten oder Porträts eignen sich aber genauso. Entscheidend ist, ihr habt eine begrenzte Anzahl an Aufnahmen, überlegt genau und macht etwas daraus. Wahllos herumfotografieren könnt ihr so nicht.

Manueller Fokus und Objektive

Ein wichtiges technisches Bauteil, das ihr auch verstehen solltet, ist das Objektiv. Blende und (Belichtungs-)Zeit regeln die Menge des auf den Film fallenden Lichtes und werden in den meisten Fällen an der Kamera eingestellt. Fehlt zum richtig fotografieren lernen noch das manuelle Scharfstellen. Das ist Übungssache, war bis zur Erfindung des Autofokus aber notwendiges Handwerk der Fotografen. Viele der heute zu Ikonen stilisierten Fotografien sind mit manuellem Fokus entstanden. Der Fotograf drehte dabei so lange am vorderen Einstellrad des Objektivs, bis die gewünschte Bildpartie scharf dargestellt wurde.

Im Unterschied zu modernen Autofokussystemen, die euch die Entscheidung, auf welche Objekte im Bild scharf gestellt werden soll, abnehmen oder die notwendigen Einstellungen nur schwer im Menüsystem der Kamera zu finden sind, müsst ihr entscheiden, was euch im Bild wichtig erscheint. Gerade wenn ihr eine offene Blende (großes Loch, viel Licht) eingestellt habt, lässt es sich wunderbar fotografieren lernen, schöne Freistelleffekte und Bildsprachen können einstudiert werden, um Vorder- und Hintergründe zu trennen.

fotografieren lernen - offene Blende f2

offene Blende f2

fotografieren lernen - abgeblendet f16

abgeblendet f16

Wir sind im Kleinbildbereich große Fans von Nikon, weil das Unternehmen seit dem Jahr 1959 den gleichen Bajonettanschluss an seinen Kameras verwendet. Das heißt, alle Objektive, die seit diesem Jahr produziert wurden, passen an jede Spiegelreflexkamera, die seit diesem Jahr produziert wurden. Die automatischen Funktionen wie Autofokus, Blendenübertragung oder Ähnliches sind in diesem Fall jedoch nicht uneingeschränkt verfügbar. Aber wir möchten zum fotografieren lernen sowieso alles manuell einstellen und dafür lieber auf einen großen sowie „günstigen“ Pool an Objektiven zurückgreifen.

Zoomobjektive sind meistens nicht sehr lichtstark und wenn doch, dann sehr teuer. Zum fotografieren lernen gehört auch die Entscheidung, ob in einer Situation ein Weitwinkel-, Normal- oder Teleobjektiv an die Kamera gehört. Welchen Effekt möchte ich erzielen? Soll ein Kontext oder eine Situation auf der Straße dargestellt werden, nehme ich ein Weitwinkel, muss aber auch nah ran. Beim Tele kann ich als Fotograf eher im Hintergrund bleiben und hole mir die Dinge ran, habe dafür aber auch einen sehr engen Ausschnitt, also wenig Hintergrund und Kontext auf dem Bild. Gute, gebrauchte Objektive sind bereits ab 300 € zu haben. Dafür erhaltet ihr aber Tools, die euch noch Jahre ihren Dienst erweisen und wie bereits erwähnt, auch an moderne Spiegelreflexkameras der Marke Nikon passen.

 Fazit

Weniger ist mehr lautet das Motto, wenn ihr richtig fotografieren lernen möchtet. Denkt an diese 3 Dinge, der Rest ist überflüssig. Ihr braucht eine analoge Spiegelreflexkamera, an der ihr manuell Blende und Zeit einstellen und somit den Lichteinfall steuern könnt. Dazu kauft ihr euch ein Objektiv, mit dem ihr manuell scharf stellt. Nicht zu vergessen, konzipiert ein Projekt, das mit maximal 36 Bildern zu realisieren ist. Jede dieser technischen Beschränkungen hilft euch, eure Fähigkeiten zu stärken und bewusst Entscheidungen zu treffen. Diese Erfahrungen werden euch auch mit einer digitalen Kamera zu gute kommen. Wenn ihr euch überhaupt noch eine kaufen möchtet.

Alle Bilder © Studio Camera Curiosa/André Schmidt